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Struthof – Mahnmal gegen Unmenschlichkeit

Zwei Tage vor Beginn der Herbstferien 2016 fuhren die drei Abschlussklassen der Realschule in zwei Bussen mit ihren Klassenlehrern Daniela Leiser (R 10 a), Karin Haist (R 10 b) Sven Lehmann (R 10 c) sowie Ute Mayer-Klausmann und Oliver Wetschorek in das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. Der pensionierte Geschichtslehrer Erich Fakler ließ sich für diesen Tag gerne noch einmal reaktivieren und veranschaulichte den Schülern der  Klasse R 10 b die Auswirkungen Deutschlands dunkelster Machtpolitik.

Daniela Leiser hatte nach einjähriger Pause infolge der Renovierungsarbeiten in der Krematoriumsbaracke die traditionelle Exkursion ins Elsass organisiert. Der äußeren Bedingungen waren für ein Einfühlen in das Leiden der unglücklichen Lagerinsassen eigentlich zu schön. Die bunten Herbstwälder in den Vogesen boten nach dem Abzug des Morgennebels einen eigentümlichen Kontrast zum abfallenden Gelände mit den verwaisten Barackenterrassen. Janek aus der R 10 b findet es sinnvoll, dass auch zukünftige Schüler weiterhin an diesen historischen Ort abgrundtiefer Unmenschlichkeit geführt werden. Alleine würde er allerdings diese ehemalige Vernichtungsstätte nicht aufsuchen wollen. Vor dem hochaufragendem Denkmal aus weißem Juramarmor lauschten die Schüler noch einmal Paul Celans „Todesfuge“. Dieses Gedicht kannten die Schüler aus dem Deutschunterricht der 9. Klassen. Angesicht der menschlichen Hohlgestalt in dem spiralförmigen Denkmal erfassten sie dann auch wirkmächtig die Verse des Dichters „…dann steigt ihr als Rauch in die Luft“. Ein Blick in die Tiefe zeigte die einstmals brutale Wirklichkeit. Kurz zuvor standen die jungen Menschen fassungslos in der Krematoriumsbaracke vor dem Verbrennungsofen und dem martialischen OP-Tisch des erbarmungslosen Medizinprofessors Hirt. Auf dem Friedhof der Deportierten und Widerstandskämpfer im Süden des Denkmals sangen die Jugendlichen drei Strophen aus dem Lied der „Moorsoldaten“. Schon während der Auffahrt von Schirmeck zum Lager Struthof hatte Sinja das eigens von Erich Fakler zu diesem Tag verfasste Sonett „Struthof“ vorgetragen.

Struthof
Wir fahren hoch zu jenem Ort,
wo einstmals herrschten Angst und Mord,
wo fehlten Liebe, Hilfe, Hoffnung,
wo nur mehr tobten Qual und Knechtung.

Wir sehen Wald und lichte Weite.
Not und Elend sind verschwunden,
keine Menschen, keine Hunde,
wir wollen, dass dies auch so bleibt.

Doch es brodelt in den Massen.
Neid und Missgunst bricht sich Bahn.
Kann man nicht leben und leben lassen,

nicht erliegen dunklem Wahn,
nicht erliegen dumpfem Treiben,
sondern einfach menschlich bleiben?

Vor dem Verbrennungsofen

Auf dem Schauplatz öffentlicher Hinrichtungen

Auf dem Friedhof der Deportierten und Widerstandskämpfer. Die Toten gemahnen die Lebenden

Blick auf das Lagergelände. Rechts unten die Krematoriumsbaracke